Zinsen bei Ratenkauf: Effektiven Jahreszins berechnen & Angebote vergleichen

Die Ratenzahlung ermöglicht Verbrauchern den Kauf teurer Waren, ohne den vollständigen Kaufpreis sofort entrichten zu müssen. Im Gegenzug zahlen sie jedoch einen insgesamt höheren Preis, sofern sie keine Null-Prozent-Finanzierung angeboten bekommen. In der Regel werden Zinsen fällig. In diesem Ratgeber lesen Sie alles über den effektiven Jahreszins und wie Sie am besten Ratenkredite vergleichen können.

Welche Zinsen fallen bei einem Ratenkauf an?

Sollzinssatz und effektiver Jahreszins

Verbraucherdarlehen und ihre Konditionen unterliegen der Angabepflicht und müssen objektiv vergleichbar sein. Der Kunde soll in der Lage sein können, Kreditangebote und deren Zinssätze wertneutral gegenüberzustellen. So dient der § 494 Abs. 2 BGB als Schutzmechanismus – denn fehlt die Angabe des effektiven Jahreszinses in der Werbung, verringert sich der dem Vertrag zugrunde gelegte Sollzinssatz auf den gesetzlichen Zinssatz.

In diesem Punkt greift zudem § 246 BGB. Als Basis für eine einheitliche Berechnung gilt die interne Zinsfuß-Methode – sie wird in der Preisangabenverordnung (PAngV) geregelt, um die Gefahr einer möglichen Manipulation in der Berechnung zu minimieren.

Was ist der effektive Jahreszins?

effektiver Jahreszins

Der effektive Jahreszins wird auch als „Effektivzinssatz“ bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine Art Kennziffer, die in Bezug auf Laufzeit und Kreditsumme die Gesamtkosten benennt.

Damit soll dem Kreditnehmer die Möglichkeit eingeräumt werden, genau ermitteln zu können, welche Kosten bei der Inanspruchnahme des Kredits entstehen und womit er in der jährlichen Gesamtbelastung zu rechnen hat. Selbstverständlich erleichtert die Faustformel – effektiver Jahreszins ist gleich Gesamtkosten – den direkten Vergleich unterschiedlicher Kreditangebote.

Wie setzt sich der Effektivzinssatz zusammen?

Der effektive Jahreszins ist für Verbraucher der wichtigste Bewertungsfaktor bei der Nutzung eines Ratenkaufangebotes. Es ist daher von Bedeutung, wie sich die Kosten zusammensetzen und welche Gebühren unter dem Strich zum normalen Kaufpreis einer Ware noch hinzukommen.

So stellt der Normalzins die Basis dar und wird durch Bearbeitungs- und Kontoführungsgebühren sowie weitere eventuell anfallenden Kosten ergänzt, woraus sich am Ende der Effektivzinssatz ergibt.

Wo ist der Unterschied beim anfänglichen effektiven Jahreszins?

Verschiedene Teilzahlungsgeschäfte sprechen von einem „anfänglichen effektiven Jahreszinssatz“. Dies ist immer dann der Fall, wenn sich der Effektivzinssatz innerhalb der vorgesehenen Kreditlaufzeit ändern kann.

Dabei werden die Angebote nach derselben Formel berechnet und ein effektiver Jahreszins ermittelt. Der Unterschied besteht lediglich in der Festlegung des Zinssatzes. Beträgt die Laufzeit des Ratengeschäftes fünf Jahre und der Zinssatz ist auf drei Jahre festgelegt, spricht man in diesem Fall von einem anfänglichen effektiven Jahreszins.

Wie wird der Effektivzinssatz berechnet?

Bei der Berechnung des effektiven Jahreszins sollte man sich nicht auf die sekundenschnellen Ergebnisse standardisierter Programme verlassen. Den Effektivzinssatz eigenständig berechnen zu können, ist mitunter sehr hilfreich, um ein gutes von weniger attraktiven Angeboten unterscheiden zu können. Für das einfachere Verständnis verdeutlicht das folgende Beispiel eine normale Berechnung.

Folgende Fakten liegen der Beispielrechnung zugrunde:

  • Kaufpreis: 250 Euro
  • Laufzeit: 24 Monate
  • Monatlicher Zinssatz: 0,66 %

Monatlicher Zinssatz (in %) * Laufzeit = Effektiver Jahreszins (in %)

0,66 * 24 = 15,84

Der effektive Jahreszins beträgt hier also 15,84 %.


[Effektiver Jahreszins (in %) / 100 * Kaufbetrag (in €)] + Kaufbetrag (in €) = Gesamtsumme (in €)

[15,84 / 100 * 250] + 250 = 289,60

Der insgesamt zu zahlende Betrag beläuft sich in diesem Beispiel also auf 289,60 € bzw. 12,07 € pro Monat.

Kreditkosten

Kreditkosten berechnen

Bei den Kreditkosten handelt es sich um jenen Anteil, den Sie als Kreditnehmer zuzüglich zum geliehenen Geldbetrag zurückzahlen müssen. Sie können einfach berechnet werden, indem der eigentliche Auszahlungsbetrag von der Gesamtbelastung abgezogen wird. Um die Gesamtbelastung herauszufinden, multiplizieren Sie die monatliche Ratenhöhe mit der Ratenlaufzeit in Monaten.

Wichtiger Bestandteil der Kreditkosten sind unter anderem die Zinsen, Bearbeitungsgebühr, Vertragsgebühr, Kontoführungsgebühr sowie in einzelnen Fällen die Restschuldversicherung.

Nettodarlehensbetrag

Der Nettodarlehensbetrag betrifft die eigentliche Kaufsumme. Zieht man vom Gesamtdarlehensbetrag die Kreditkosten ab, ergibt sich dieser Wert.

Laufzeit in Monaten

Sie definiert die Dauer des Kredites. Bezieht sich das Angebot auf 5 Jahre Vertragsdauer, bedeutet dies 60 Monate Laufzeit.

Wo liegt der Unterschied zwischen effektiven und nominalen Zinsen?

Versteckte Zinsen

Der Nominalzins ist ein Sammelbegriff für alle Kosten, die für das Verleihen von Geld anfallen und beinhaltet keine weiteren Spesen. Er ist ein Wert, der immer niedriger als der Effektivzinssatz ausfällt. Bei vermeintlich günstigen Angeboten ist er häufig angegeben und macht potenzielle Kunden aufmerksam.

Tatsächlich liegt in solchen Fällen der tatsächliche effektive Jahreszins weitaus höher und wird – aufgrund rechtlicher Bestimmungen – zwar angeführt, findet aber meist als kleingedruckte Variante nicht die sofortige Aufmerksamkeit zukünftiger Ratenkäufer.

Variabler oder fixer Zinssatz – Was ist besser für den Ratenkauf?

In den meisten Fällen handelt es sich bei einem Teilzahlungsgeschäft um einen fix vereinbarten Zinssatz. Darin begründet ist vor allem die relativ kurze Vertragslaufzeit und bessere Planbarkeit der Kreditverpflichtung in Form von monatlichen Raten.

Ein Nachteil ergibt sich allerdings aus der starren Bindung, denn fallen die Zinsen, profitiert der Konsument nicht davon. Hier bringt der flexible Zinssatz bessere Chancen ins Spiel. Ein Vorteil bei sinkenden Zinsen und ein negativer Aspekt bei einem möglichen Anstieg des EURIBOR, der Grundlage für jede Zinsermittlung.

Achten Sie auf den effektiven Jahreszins!

Genau hinsehen beim ratenkauf

So verführerisch praktisch ein Ratenkauf auch sein mag, auf Dauer kann er zu einer massiven Belastung für das Haushaltsbudget werden. Betrachtet man seine durchschnittlichen Kosten von bis zu 21,7 % bei Ratenzahlungen in Möbelhäusern, Elektrofach- und Baumärkten sowie dem Versandhandel, schneiden Ratenkredite bei Banken mit maximal 8 % vergleichsweise gut ab.

Es wundert kaum, dass Anbieter mit den tatsächlichen Kosten für einen Ratenkauf gerne geizen. Nicht selten wird daher die Angabe des effektiven Jahreszinssatzes in die Fußnote verbannt. Oft sollen Kunden bei einem Kaufpreis von 250 Euro und einer Laufzeit von zwei Jahren dem Finanzdienstleister mit mehr als 300 Euro die Rückzahlung versüßen. Daher sollten Sie stets genau hinsehen, um am Ende keine belastenden Mehrkosten tragen zu müssen.

0 %-Finanzierung

Ein tatsächlicher Vorteil ergibt sich für Verbraucher mit einer 0 %-Finanzierung – wohlgemerkt beim effektiven Jahreszins. Ist damit nur der Nominalzins angegeben, läuft man rasch Gefahr mit wesentlich höheren Raten konfrontiert zu werden. Nicht selten belaufen sich nach der Effektivzinssatzberechnung die Kosten auf mehr als 10 Prozent.

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